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1978

(C) EAV

Vom ersten Liveauftritt zum Debutalbum ohne Plattenvertrag

Im Frühjahr des Jahres probt die Erste Allgemeine Verunsicherung für die Premiere ihres ersten Bühnenprogramms (Bilder). Im Februar ist die Besetzung der Band komplett: Nach Thomas Spitzer, Eik Breit, Nino Holm, Anders Stenmo, Walter Hammerl und Marina Tatic stößt noch Wilfried Scheutz, ein alter Bekannter von Thomas Spitzer, als Sänger zur Band. Wilfried Scheutz sorgte Anfang der siebziger Jahre durch Jodel-Rock Interpretationen österreichischer Volkslieder für Aufsehen und stand in diversen Musicals auf der Bühne. Er verschaffte der EAV auch den ersten Zeitungsartikel. Als einziger Musiker mit Bühnenerfahrung, ernennt er sich selbst zum „verunsicherten Schauspiellehrer“ und probt fortan mit der Band. In einem Interview erinnert sich Wilfried Scheutz an diese Zeit: „Alle waren Anfänger, keiner speziell trainiert. Ich habe mit ihnen Körpertrainings abgehalten, war Regisseur und Hauptdarsteller gleichzeitig.“ Er tritt der Band (trotzdem) bei, nicht zuletzt weil er bei der Verunsicherung mit Marina Tatic, die die Kostüme zur ersten Show schneiderte und hin und wieder als Bühnenakteurin in Aktion trat, seine heutige Frau kennen lernt. Günter Schönberger, später festes Bandmitglied der Verunsicherung, stößt noch als Gastmusiker zur EAV und spielt während der ersten Shows Saxofon. Gemeinsam bastelt man Kulissen und Kostüme und arbeitet das neue Bühnenprogramm aus. Am 25. Mai 1978 (Programmheft zur ersten Show) ist es dann endlich soweit: Die Live-Premiere der Ersten Allgemeinen Verunsicherung findet im Wiener Schauspielhaus statt. Das erste Programm, von der Band schlicht „Verunsicherung“ betitelt, wird nach einigen Auftritten in „Uschi im Glück“ umbenannt (Tourposter). Ein Kritiker hat in einer Rezension den falschen Namen verwendet (der sich auf den EAV-Song „Uschi“ bezieht), und da die EAV die Kritiken bei der Suche nach neuen Auftrittsmöglichkeiten vorzeigt, wird der unfreiwillige Name einfach übernommen. Inhaltlich beschäftigt sich das Programm mit den negativen Folgen und Begleiterscheinungen einer materiell geprägten Konsumgesellschaft. Erzählt wird die Geschichte von „Uschi“, die vom Jetset-Leben träumt und auf ihrem Weg Bekanntschaft mit seltsamen Personen, wie dem italienischen Verführer Umberto Mezzanini, dem Macho Billy Beinhart und der peinlichen Discobekanntschaft „Disco-Dillo“, macht. Die Band druckt für die bevorstehenden Konzerte mit Hilfe ihrer eigenen Siebdruckmaschine das erste EAV-Tourplakat. Im September spielt die Band das Programm auf LP ein. Das Album erscheint ohne wirklichen Plattenvertrag, da Wilfried Scheutz es schafft, das Projekt seiner Plattenfirma im Rahmen seines Solovertrages einzureden (Promoposter). Die LP wird im Oktober mit einem beigelegten achtseitigen Comicheft unter dem Namen „1. allg. Verunsicherung & Wilfried“ mit einer Auflage von circa 2000 Exemplaren veröffentlicht – und zählt damit zu den meistgesuchten Tonträgern unter EAV-Fans (Hörproben des ersten Albums). Im Winter schreibt die EAV das „Uschi im Glück“ Programm für die Weihnachtszeit um (Tourplakat zur Weihnachtsshow). Es bekommt den neuen Namen „Lametta Scheinwelt“. Mit vier zusätzlichen Songs („Roll over to Bethlehem“, „Die Englein singen, die Kassen klingeln“, „Leise rieselt der Schmäh“ und „There’s no Business like Christmas“ – die allesamt leider nie veröffentlicht wurden) nimmt die Band den Konsumterror zu Weihnachten aufs Korn. Trotz erster Achtungserfolge ist die Verunsicherung Ende 1978 hochverschuldet. Mit einem hoffnungslos überzogenen Studentenkredit kauft sich die Band trotzdem eine eigene Licht- und Tonanlage für ca. 15.000 DM – und damit geht es erst einmal auf Tour…

SPECIAL: Die Erste Allgemeine Verunsicherung  in den 70ern

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