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Günter Schönberger

(C) Das EAV-Archiv / Günter SchönbergerGünter Schönberger wirkte 1978 bereits am Debütalbum der EAV mit, spätestens seit 1979 war er als Manager, Saxofonist und Bühnenakteur festes Mitglied der Verunsicherung. Auch er verließ, ebenso wie Eik Breit, im „Krisenjahr“ 1996 die Band. Heute besitzt er ein eigenes Weingut am Neusiedler See. Weitere Infos auf seiner Homepage. Der österreichischen Zeitung Steirer MONAT gab er Einblicke in seine Zeit bei der EAV.

Vielen Dank an den „Steirer MONAT“ für die Freigabe des Interviews.

 

Weine aus dem Hinterhof

Vom Rockstar zum Starwinzer: Ex-EAV-Saxophonist Günter Schönberger erzeugt Spitzenweine und ist mit dem Ergebnis dennoch selten zufrieden.

Text: Wolfgang Wildner

Günter Schönberger Von 1978 bis 1996 bei der EAV, Saxophonist, zeitweise auch Manager. Geboren am 8. Februar 1952 in Graz. Verheiratet, 2 Kinder. Lebt in Mörbisch und St. Marein bei Graz. Seit 1991 besitzt er ein Weingut in Mörbisch am Neusiedler See. Er erzeugt seine Spitzenweine nach der dynamisch-biologischen Methode, genießt international einen hervorragenden Ruf und erhielt zahlreiche hochkarätige Wertungen und Auszeichnungen. Bei Sepp Zotter erscheint die Schokolade „Schönberger Rot“. Schönberger-Weine erhält man unter anderem bei Frankowitsch in der Grazer Stempfergasse oder direkt in St. Marein bei Graz.

Irgendwie erwartet man etwas ganz anderes. Nicht ein Hinterhof-Weingut. Nicht ein spartanisch eingerichtetes Büro. Nicht einen hageren, ausgesprochen dezent und unprätentiös auftretenden grau-langhaarigen Mann. Wenn man mit der Absicht ins burgenländische Mörbisch fährt, dort den ehemaligen EAV-Saxophonisten und nunmehrigen Spitzenwinzer Günter Schönberger zu treffen, dann schwebt einem ein schickes, durchgestyltes Weingut vor mit einem an Spitzer oder Eberhartinger gemahnenden Rock-’n’-Roll-Winzer.

Nix da! Günter Schönberger arbeitet per Laptop in seinem Büro, auch im Hof draußen wird geschöpft, schließlich ist gerade neuralgische Erntezeit. „Ich muss nicht drei BMW X-irgendwas in der Garage haben“, wird er später einmal einwerfen und hinzufügen, dass er eigentlich überhaupt kein Gefährt in dieser Klasse besitze. „Ich habe nie Goldketterln gehabt und mein teuerstes Auto war ein ganz normaler Citroen. Mir hat schon, als ich 15 war, das älteste Gewand immer am besten gefallen. Wenn mir meine Eltern gesagt haben, ich solle mir etwas Neues kaufen, das war der blanke Horror.“ Auch jetzt wisse er nicht, wann er sich das letzte Mal was gekauft habe. Korrektur: „Vorgestern war ich im Baumarkt – fünf Paar Socken um 4,50.“ Bescheiden sei er dennoch nicht. „Was heißt bescheiden?“, fragt er halb, halb sagt er. „Ich gehe irrsinnig gern gut essen und trinken.“ Sonst sei er halt eher auf Understatement. Dem Wein hat sich Schönberger bedingungslos verschrieben. Schon in der Doppelliter-Ära Ende der 70er – lange vor dem großen Durchbruch der EAV. Damals, als er Hauptschullehrer in der Oststeiermark war und zu den EAV-Proben nach Wien pendelte. Ihm sei der Wein immer lieber gewesen als Bier oder diverse Rauch- und Schnupfwaren. „Schon im Keller meiner Eltern habe ich das eine oder andere Flascherl geöffnet und dabei festgestellt, dass es mir schmeckt. Auch mein Schwiegervater war ein begnadeter Weinkenner und -genießer. So sind wir damals in der Gegend herumgefahren und haben Wein eingekauft.“

Ziemlich wurscht

Die Weinbauern habe er Löcher in den Bauch gefragt. Wann immer neben der Popstar-Existenz Zeit blieb, habe er sich mit Wein und Weinbau beschäftigt, darüber gelesen, Winzer besucht, Kurse absolviert. „Während die anderen nach Kenia jetteten, fuhr ich durch die Weinbaugebiete Österreichs, Italiens oder Frankreichs.“ Auch die Pausen während der oft wochenlangen Vorbereitungen für große Fernsehshows wusste er zu nützen, um gute Weine kennen zu lernen: „Da hat natürlich die Plattenfirma die Spesen übernommen. Ich habe mir immer die besten Lokale ausgesucht und die edelsten Tropfen gekostet. Wenn du Wein machen willst, musst du zuerst einmal wissen, wie der Wein schmeckt.“ Seinen EAV-Kollegen sei das ziemlich wurscht gewesen, was sie trinken, aber sie hätten auch nichts dagegen gehabt, wenn es was Gutes gewesen sei. „Das waren ja auch keine Kostverächter.“ Beinahe vergessen war da schon die Zeit, in der die Zuteilung von Freigetränken einer der wichtigsten Vertragspunkte bei Live-Gigs gewesen sei und man in Hamburg monatelang in einem Etablissement hauste, wo Warmwasser nur gegen 50 Pfennig extra ausgespuckt wurde.

Kuhmist funktioniert

1991 dann der Kauf eines Weingutes in Mörbisch. Mit der EAV habe er ein paarmal auf der Seebühne gespielt, die Gegend habe ihm zugesagt. „Mir taugt das, wenn du von der Steiermark hierher kommst, bei St. Margarethen über die Kuppe fährst und plötzlich den Neusiedler See vor dir hast. Das ist ein anderes Feeling, das ist wie Urlaub.“ 1992 hat Schönberger seinen ersten Wein ausgebaut – noch nach konventionellen Methoden. „Das kann doch nicht sein, dass ich mich selbst mit einer Chemikalienwolke umhülle“, habe er sich dann gedacht und auf biologisch-dynamischen Weinbau umgestellt. „Wenn man Kuhmist in ein Kuhhorn füllt und das im Herbst eingräbt und das Pulver dann versprüht …“ Das funktioniert? „Ja, das funktioniert.“ Noch eine Frage: Ob er in Mörbisch ganz normal verankert sei. Antwort: „Normal verankert? Normal nicht. Wenn du Rockmusiker und Lehrer warst, dazu lange Haare, dann machst du auch noch Bio-Wein … Da bist du nicht normal verankert.“ In der Weinwelt wenigstens wird er geschätzt, oft auch ausgezeichnet, da ist er eigentlich schon wieder ein Star. Ob ihm seine Rockstar-Vergangenheit genützt habe. „Eher nicht“, sagt Schönberger. Internationale Stars wie Gerard Depardieu, Ornella Muti oder Thomas Muster machen ja auch ihren Wein, aber diese Namen interessieren in der Weinwelt niemanden.

Mit seinen eigenen Weinen ist Schönberger, trotz aller Auszeichnungen, selten ganz zufrieden. Da schwankt er zwischen Leidenschaft und Qualitätsfanatismus. Ist gleichermaßen von sich überzeugt wie mit sich unzufrieden. Da könne er noch jede Menge investieren an Ernergie und Geld. Aber nicht in repräsentative Architektur. „Ich habe nicht so viel Geld. Wenn ich jetzt fünf Millionen investiere, müssten das noch meine Kinder und Kindeskinder zurückzahlen und das will ich nicht.“ Um den Wein gehe es ihm. Und um seinen individuellen Zugang zum Wein. Dem globalen Geschmack gerecht zu werden, dazu habe er keine Lust. „Die Massenweine schmecken nicht schlecht, aber sie schmecken alle gleich. Egal, ob sie aus Kalifornien, Australien oder Südafrika kommen.“ Sein Wein, sagt Schönberger, der solle Charakter haben. „Du musst einfach schmecken, woher er kommt.“ Die EAV verließ Schönberger 1996. „In dieser Phase hätten Psychologen mit uns viel Geld verdienen können. Da hätten wir alle unseren persönlichen Betreuer gebraucht. So haben wir das alle mehr oder weniger selbst verarbeitet.“ Seine ehemaligen Kollegen sieht er selten. „Ein Treffen? Schwer zu sagen, wie das wäre. Hängt von den Akteuren ab. Wenn die offen und realitätsnah in dieses Treffen gingen, dann könnte es sicher sehr fruchtbar sein.“

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