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1980

Von zahllosen Konzerten zum zweiten Album

In einem Interview mit der österreichischen Musikzeitschrift „hit“ blickt die Band auf die ersten Jahre ihres Schaffens zurück. Der Wechsel am Mikrofon wird besonders hervorgehoben. Die Verunsicherung ist mit ihrem neuen Sänger Gert Steinbäcker zufrieden und sieht den Besetzungswechsel als Chance:

Damit haben wir auch endlich das Image, Wilfrieds Begleitgruppe zu sein, verloren. (aus: hit, 2/80)

Die Zeiten, in denen die EAV bestenfalls als das Hobby einiger Nachwuchsmusiker angesehen werden kann, sind spätestens 1980 vorbei. Mit dem neuen Bühnenprogramm „Café Passé“ (Tourposter) (Promo-Zettel) entwickelt sich die Erste Allgemeine Verunsicherung zur Live-Band: Die Show, die während der „Wiener Festwochen – alternativ“ Premiere feiert, wird in den folgenden zwei Jahren fast 400 mal gespielt. Über 200.000 Menschen – hauptsächlich aus Deutschland – sehen das bis heute wohl politischste Programm der Band (auch wenn Thomas Spitzer dies bis heute bestreitet). Auf satirische Art betrachtet die Band den Verfall und Ausverkauf der 68er-Werte und kritisiert die Aushöhlung der Ideale durch die fortschreitende Kommerzialisierung der Gesellschaft. Dank „Café Passé“ wird die EAV fester Bestandteil der links-alternativen Clubszene Deutschlands. Auch Otto Waalkes, damals schon eine bekannte Größe, ist begeistert von der Verunsicherung und setzt sich aus Spaß bei einigen Auftritten der Band an die Abendkasse. Im Herbst vollendet Thomas Spitzer innerhalb von nur drei Tagen seine Diplomarbeit an der Kunstakademie – mehr Zeit bleibt nicht zwischen den zahlreichen Konzerten und der Aufnahme des zweiten Albums im „Magic Sound Studio“ in Graz. Im September zeigt die ARD in der Reihe „Alternatives Leben“ einen 45-minütigen Mitschnitt des „Café Passé“ Programms, zwei Monate später geht die Band zum letzten Mal auf Weihnachtstournee – und auch die Zeit des eigenen Tourbusses ist abgelaufen: Bei einer Fahrzeugkontrolle montiert die Polizei nach Überprüfung des Profils die Nummernschilder noch vor Ort ab. Dennoch blickt die EAV auf ein erfolgreiches Jahr zurück. Durch das ausgiebige Touren erspielt sich die Band eine wachsende Zuschauergemeinde und auch die Presse zeigt sich begeistert:

[…] so furios, komisch, witzig und hinreißend unterhaltsam wie die „Erste Allgemeine Verunsicherung…“ (Wien, Kurier, 03.06.1980)

[…] für mich das beste Kabarett seit Qualtinger.“ (Wien, Joe Berger, Juni 1980)

[…] ein brillantes Rocktheater.“ (Wuppertal, Neue Ruhr Zeitung, 17.06.1980)

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