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Mario Bottazzi

(C) Das EAV-Archiv / EAV(C) Der offizielle EAV-FanclubMario Bottazzi war von 1983 bis 1990 Keyboarder und Sänger der EAV.

Heute verdient er sein Geld mit der Witschaftskabarettgruppe  Seminarren. Dem EAV-Fanclub gab Mario 2006 ein Interview, in dem auf Fragen von EAV-Fans antwortete.

Vielen Dank an den EAV-Fanclub für die Freigabe des Interviews in einer leicht gekürzten Version.

 

EAV-Fans: Wer war Dein Lieblingskollege bei der EAV und warum?

Mario: Klaus. Weil er eloquent ist und auch für andere Dinge als Erfolg, Geld und Rock’n’Roll offen ist.

EAV-Fans: Zu Spitalo Fatalo-Zeiten warst Du eigentlich der Hauptsänger der EAV. Das wurde allerdings nie wirklich ausgesprochen. Hat Dich das gestört? Gab es Rivalitäten zwischen Dir und Klaus?

Mario: Ich bin zwar offiziell als Sänger eingestiegen, aber die kreative Symbiose zwischen Klaus und Thomas war schon sehr weit gediehen. Thomas und Klaus verstanden sich untereinander damals sehr gut. Viel besser als Thomas und ich. Das respektiere ich. Kunst und Erfolg sind eben nicht demokratisch. Was zählt, ist das, was bei der Arbeit herauskommt. Und bei Thomas und Klaus ist sehr viel herausgekommen. Sicher viel mehr als zwischen Tom und mir je herausgekommen wäre.

EAV-Fans: Zu welchen ehemaligen EAVlern hast Du noch Kontakt?

Mario: Zu keinem. Wir leben in verschiedenen Welten und ich bin keiner, der Old Boy-Treffen mag. Ich glaube, die anderen auch nicht.

EAV-Fans: Der EAV wird oft vorgeworfen, sich von einer kritisch-politischen Band zu einer kommerziellen Blödelgruppe entwickelt zu haben. Teilst Du diesen Vorwurf?

Mario: Nein. Das beste politische Kabarett machen die Politiker selbst.

EAV-Fans: Die Gründe für Deinen überraschenden Ausstieg bei der EAV wurden ja nie richtig bekannt. Warum genau hast Du denn die EAV verlassen? Die Presse sprach ja sogar von einem Rauswurf.

Mario: ICH bin gegangen. Aus 2 Gründen. Erstens habe ich in der Band immer weniger zu tun bekommen. Und ich wollte kein Statist sein. Aber das ist ok. Wie gesagt: Kunst ist nicht demokratisch. Und zweitens haben mich das Tourneefahren und Rockstarleben schlicht und einfach nicht befriedigt. 250 Tage im Jahr unterwegs – das ist kein Leben.

EAV-Fans: Welche positiven oder vielleicht sogar negativen Erfahrungen der EAV-Zeit hast Du während Deiner späteren beruflichen Laufbahn nutzen können?

Mario: Vom Tom habe ich gelernt, die eigenen Texte wirklich immer wieder durchzulesen und diese zu feilen, bis wirklich die optimale Form und Formulierung da ist.

EAV-Fans: Ist Dir bewusst, dass Du unter den EAV-Fans als einer DER EAVler mit ganz besonderer, fast schon legendärer Ausstrahlung giltst?

Mario: Ich fühle mich sehr geehrt. Aber das ist schon lange her und vergangene Verdienste sind eben vergangen und tragen wenig zum heutigen Verdienst bei.

EAV-Fans: Hast Du nach Deiner Solosingle „Bella, Bella Signorina“ wieder mit EAVlern zusammengearbeitet?

Mario: „Bella, Bella Signorina“ war unsere einzige Zusammenarbeit. Gott habe sie selig.

EAV-Fans: Welche Zeit war für Dich die künstlerisch spannendste Phase der EAV?

Mario: Die spannendste Phase war der Anfang – bevor ich eingestiegen bin. Ab 1982 fiel eine bandinterne Entscheidung in Richtung größere mediale Präsenz. Dafür war die EAV prädestiniert. Das Visuelle wurde immer wichtiger und das haben die Jungs mit ihrem Anspruch, Rockcomix zu machen, sehr gut bedient.

EAV-Fans: Wie viel Einfluss hattest Du damals auf die Arbeit der EAV?

Mario: Künstlerische Freiheit jede – Einfluss aber gar keinen.

EAV-Fans: Du bist bei Stolzer Falke als alleiniger Komponist eingetragen. Zur damaligen EAV-Zeit war es sehr selten, dass nur ein EAVler als Komponist eingetragen war. Hattest Du den Wunsch, mehr für die EAV zu komponieren oder ergab sich diese Komposition aus einem konkreten Anlass?

Mario: Ich bin der alleinige Komponist des Songs. Thomas hat den Text geschrieben und mich gebeten, diesen zu vertonen. Ich habe damals immer wieder im Probelokal irgendwelche jazzige Akkorde gespielt. Das könnte ihn vielleicht verleitet haben mich um die Musik zu seinem Text zu bitten.

EAV-Fanclub: Du antwortest auf die Fragen der Fans zu Deiner EAV-Zeit sehr distanziert, zum Teil sogar negativ. Bereust Du im Nachhinein diese Zeit oder hat sich die Band schon damals in eine Richtung entwickelt, die Dich heute so distanziert reden lässt?

Mario: Ich bewahre mir tatsächlich eine Distanz zu dieser Zeit, bereue die EAV aber nicht. Bei der EAV habe ich meine Arbeit gemacht und bin dafür bezahlt worden. Ex-Popstar ist ja auch eine gute Referenz – aber die Zeit ist lange vorbei. Für mich war EAV anfangs eine neue Heimat und dann immer mehr ein Job. Die Veränderung war weg von der Kleinkunst hin zum Hitparadenkabarett. Vom kleinen Publikum zur Masse. 1990 hatte ich keine Lust mehr, ein Wechsel war fällig. Der ist mir nicht leicht gefallen. Aber aus heutiger Sicht war meine Entscheidung einer Trennung goldrichtig. Tourneefahren ist nur von außen romantisch und interessant. Jeden Tag Party mit irgendwelchen Eintagesmenschen – das ist nicht auszuhalten. Von den vielen Plätzen, an denen du bist, siehst du nur die Halle und Hotelbar. Ich nehme mich nicht besonders wichtig nur weil ich vom Fernsehen herunterflimmere. Darum ist mir jeder Rummel um meine Person zuwider. Versteht mich nicht falsch: Ich komme sehr gerne gut bei den Menschen an. Das heißt aber nicht, dass 10.000 Leute meinen Namen schreien müssen, damit ich glücklich bin. Im Gegenteil. Ich bin viel lieber ein Kleinkünstler.

EAV-Fans: Bestand oder besteht Deinerseits Interesse, noch einmal mit der EAV „gemeinsame Sache“ zu machen? Du warst ja schon für die Jubiläumstournee 100 Jahre EAV als Gastmusiker im Gespräch.

Mario: Klaus ist Herbst 2005 an mich herangetreten. Ich hatte Lust, aber leider nicht die Zeit, die notwendig gewesen wäre. Ich kann meine Firma, die SemiNarren, eine Gruppe, die Wirtschaftskabarett macht, nicht für so lange Zeit verlassen.

EAV-Fanclub: Vielen Dank, Mario Bottazzi.

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