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1981

Von Walter Hammerl zu Klaus Eberhartinger

Nach dem für die Erste Allgemeine Verunsicherung sehr erfolgeichen Jahr 1980, stürzt die Band im Februar in ihre erste große Krise. Kurz nach der Aufnahme des neuen Albums „Café Passé“ (Promoposter) nimmt sich EAV-Sänger und Bühnenakteur Walter Hammerl das Leben. Die Band reagiert geschockt und löst die Bauernhof-Kommune, in der man bisher wohnte, auf. Die EAV-Mitglieder ziehen in verschiedene Städte: Thomas Spitzer und Günter Schönberger nach St. Marein, Eik Breit nach Wuppertal, Nino Holm nach Wildon, Anders Stenmo nach Wien und Gert Steinbäcker nach Graz. Dennoch trifft man sich regelmäßig zu Proben und Konzerten. Zudem wird ein Nachfolger für den verstorbenen Walter Hammerl gesucht. Im Gespräch sind unter anderem Stefan Weber von der österreichischen Band „Drahdiwaberl“ und Ludwig „Wickerl“ Adam von der „Hallucination Company“. Thomas Spitzer besteht allerdings auf seinen alten Freund Klaus Eberhartinger. Dieser hatte zwar noch nie in seinem Leben ein Mikrofon in der Hand, wird aber dennoch festes Bandmitglied („Bis jemand Besseres gefunden worden ist“). So wie Gert Steinbäcker Wilfried Scheutz’ Bühnerolle per Tonband einstudierte, übt nun Klaus Eberhartinger mit einem Kassettenmittschnitt seinen Part im Liveprogramm der EAV. Über ein Jahr spielt die Band das Bühnenprogramm „Café Passé“ mit Klaus Eberhartinger (Tourposter) und bekommt dafür den Kleinkunstpreis „Berliner Wecker“ verliehen (Tourbericht) (Eintrittskarte) (Flyer). Das gleichnamige Album, das beim kleinen Indie-Label „Mood Records“ veröffentlicht wird, erhält den „Deutschen Schallplatten-Kritikerpreis“ (Presseartikel). In der Jurybegründung heißt es:

Im vergangenen Jahrzehnt entstanden Politrockgruppen en masse. Von diesen unterscheidet sich das Wiener Rock-Cabarett Erste Allgemeine Verunsicherung in seinem zweiten Programm „Café Passé“ dadurch, daß den witzigen Texten und der rockigen Musik gleiches Gewicht zukommt. Dem anarchistischen Gestus der musikalischen Darbietung entsprechen die spöttischen Hiebe, die die sechs Mann nach allen Seiten verteilen.

Der Spiegel, der die EAV nach 1979 bereits zum zweiten Mal erwähnt, sieht es etwas kritischer und bemängelt die „viele(n) Kalauer im Programm“. Aus der LP „Café Passé“ (Promo-Foto) werden zwei Singles ausgekoppelt: „Oh, nur Du“ und der „Alpen-Punk“ (Fotosession), die allerdings nur wenig Beachtung finden (Artikel zum Album von 2011). Zu „Oh, nur Du“ produziert die Verunsicherung einen Videoclip – mit Gert Steinbäcker als Sänger und Klaus Eberhartinger in seiner ersten „Frauenrolle“ bei der EAV. 1993 wird „Café Passé“ erneut aufgelegt – erstmalig auf CD und MC (Promoposter).